Ratgeber · Psychische Gesundheit
Angehörige in einer seelischen Krise unterstützen
Erstgespräch anfragen oder anrufen: 0151-62752177
Wenn ein naher Mensch seelisch belastet ist, hilft vor allem: da sein, zuhören, ohne zu bewerten, Unterstützung beim Finden professioneller Hilfe anbieten und gleichzeitig auf die eigenen Grenzen achten. Bei Hinweisen auf Suizidgedanken ist es richtig, offen danach zu fragen und sofort Hilfe zu holen. Angehörige können sich auch selbst beraten lassen, im Landkreis Lüchow-Dannenberg zum Beispiel beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Lüchow.
Ansprechen
Viele Angehörige zögern, Veränderungen anzusprechen, aus Angst, etwas falsch zu machen. Hilfreich ist, in Ich-Botschaften zu beschreiben, was Sie beobachten: „Ich habe den Eindruck, dass du in letzter Zeit sehr erschöpft bist, und mache mir Sorgen.“ Wählen Sie einen ruhigen Moment und lassen Sie Ihrem Gegenüber Zeit. Ein Gespräch muss nicht sofort etwas lösen.
Was hilft
- Zuhören: wirklich verstehen wollen, ohne gleich Ratschläge zu geben.
- Gefühle ernst nehmen: „Das klingt sehr schwer“ statt „Kopf hoch, wird schon“.
- Konkrete Hilfe anbieten: einkaufen, einen Termin heraussuchen, mitfahren.
- Geduld haben: Veränderungen brauchen Zeit, Rückschritte gehören dazu.
- Kontakt halten: auch wenn der andere sich zurückzieht.
Was eher nicht hilft
- Vorwürfe oder Druck („Reiß dich zusammen“)
- Vergleiche mit anderen, denen es schlechter geht
- Verharmlosen oder Dramatisieren
- alles übernehmen, bis der andere gar nichts mehr selbst entscheiden kann
Bei Suizidgedanken
Fachleute raten, Suizidgedanken offen anzusprechen. Die Frage „Denkst du daran, dir das Leben zu nehmen?“ bringt niemanden erst auf die Idee, sondern zeigt, dass Sie ernst nehmen, was los ist. Wenn die Antwort Ja ist oder Sie eine akute Gefahr sehen, lassen Sie den Menschen nicht allein und holen Sie Hilfe: Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117 oder TelefonSeelsorge 0800 111 0 111. Auch als Angehörige können Sie die TelefonSeelsorge anrufen.
Professionelle Hilfe finden
Sie können unterstützen, aber nicht behandeln. Ermutigen Sie Ihr Gegenüber, sich Hilfe zu holen, und bieten Sie an, gemeinsam danach zu suchen. Erste Anlaufstelle ist oft die Hausarztpraxis. Wege zur Psychotherapie im Landkreis stehen im Ratgeber Therapieplatz im Wendland finden. Eine Entscheidung für eine Behandlung trifft der betroffene Mensch selbst, solange keine akute Gefahr besteht.
Auf sich selbst achten
Angehörige tragen oft viel und vergessen sich selbst. Achten Sie auf Ihre Erschöpfung, holen Sie sich Unterstützung, nehmen Sie sich Auszeiten. Es ist kein Verrat, auch an sich zu denken. Der Sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises in Lüchow berät auch Angehörige, ebenso Angehörigengruppen und Selbsthilfe. Und auch für Angehörige kann eine eigene Begleitung sinnvoll sein, etwa in Einzelsitzungen bei Dr. Cora Titz in Dannenberg (Elbe). Mehr unter Einzelsitzungen.
Typische Stolperfallen für Angehörige
Viele Angehörige geraten mit der Zeit in eine Rolle, die sie überfordert. Sie übernehmen Aufgaben, entschuldigen den anderen bei Freunden oder am Arbeitsplatz, stellen eigene Bedürfnisse ganz zurück und fühlen sich verantwortlich für jede Stimmungsschwankung. Das geschieht aus Liebe, kann aber dazu führen, dass beide erschöpfen. Hilfreich ist, sich immer wieder zu fragen: Was kann ich wirklich tun, und was liegt nicht in meiner Hand? Die Genesung oder Veränderung eines anderen Menschen können Sie begleiten, aber nicht erzwingen.
Auch Schuldgefühle sind häufig: Hätte ich es früher merken müssen? Habe ich etwas falsch gemacht? Psychische Krisen haben fast immer viele Ursachen. Es hilft niemandem, wenn Sie sich selbst die Schuld geben.
Wenn Kinder im Haushalt leben
Kinder spüren, wenn es einem Elternteil schlecht geht, auch wenn niemand darüber spricht. Fachleute empfehlen, altersgerecht und ehrlich zu erklären, dass Mama oder Papa gerade krank oder sehr erschöpft ist, dass das nicht die Schuld des Kindes ist und dass sich Erwachsene darum kümmern. Feste Bezugspersonen und verlässliche Abläufe geben Kindern in dieser Zeit Halt. Beratungsstellen für Familien können Sie dabei unterstützen.
Wenn der andere keine Hilfe möchte
Eine der schwersten Situationen für Angehörige: Man sieht, dass es einem geliebten Menschen schlecht geht, aber er lehnt jede Hilfe ab. Erwachsene können selbst entscheiden, ob sie Unterstützung annehmen, solange keine akute Gefahr besteht. Was Sie tun können: im Gespräch bleiben, Ihre Sorge in Ich-Botschaften ausdrücken („Ich mache mir Sorgen, weil ich sehe, dass du kaum noch schläfst“), Informationen anbieten, ohne zu drängen, und deutlich machen, dass Ihre Unterstützung bleibt. Oft braucht es Zeit, bis jemand bereit ist.
Beratung für Angehörige
Auch Angehörige dürfen sich Hilfe holen, ohne dass der betroffene Mensch dabei ist. Der Sozialpsychiatrische Dienst in Lüchow berät ausdrücklich auch Angehörige und das Umfeld, das Info-Telefon Depression unter 0800 33 44 533 informiert kostenlos, und Selbsthilfegruppen für Angehörige gibt es in vielen Regionen. Eine eigene Begleitung kann helfen, mit Sorgen, Schuldgefühlen und Erschöpfung umzugehen.
Grenzen wahren
Unterstützen heißt nicht, alles zu übernehmen. Es ist in Ordnung, Nein zu sagen, eigene Termine wahrzunehmen und sich Auszeiten zu gönnen. Wer sich selbst erschöpft, kann auf Dauer niemandem helfen. Hinweise zur eigenen Belastung gibt der Ratgeber Burnout oder Depression?; was Betroffene selbst tun können, steht in Gedrückte Stimmung: was Sie selbst tun können.
Gemeinsam Hilfe suchen
Manchmal hilft es, die Suche nach Unterstützung gemeinsam anzugehen: zusammen recherchieren, beim ersten Anruf dabei sein oder zum Termin fahren. Achten Sie darauf, dass die Entscheidung beim Betroffenen bleibt. Ihre Rolle ist Begleiten, nicht Bestimmen.
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Quellen
Verantwortlich: Dr. rer. nat. habil. Cora Titz, Dipl.-Psych., Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) · Stand: 05.10.2026
Gut zu wissen
Häufige Fragen
Darf ich nach Suizidgedanken fragen?
Ja. Fachleute raten dazu, offen zu fragen. Das zeigt, dass Sie die Situation ernst nehmen. Bei akuter Gefahr holen Sie sofort Hilfe über die 112.
Können Angehörige selbst zu Dr. Titz kommen?
Ja. Auch Angehörige können für sich Einzelsitzungen vereinbaren, um mit der eigenen Belastung umzugehen.
