Ratgeber · Psychische Gesundheit
Gedrückte Stimmung: was Sie selbst tun können und wann Sie Hilfe brauchen
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Bei gedrückter Stimmung können kleine, regelmäßige Schritte helfen: ein fester Tagesrhythmus, Bewegung, Tageslicht, Kontakt zu Menschen und kleine angenehme Tätigkeiten. Selbsthilfe hat aber Grenzen. Wenn Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und Antriebsmangel länger als zwei Wochen anhalten oder Sie den Alltag kaum noch schaffen, sollten Sie das ärztlich abklären lassen, denn dahinter kann eine Depression stehen, für die es wirksame Behandlungen gibt. Bei Gedanken an den Tod oder Suizid holen Sie sich bitte sofort Hilfe.
Wenn Sie gerade in akuter Gefahr sind oder daran denken, sich das Leben zu nehmen: Wählen Sie den Notruf 112 oder rufen Sie die TelefonSeelsorge an, rund um die Uhr und kostenlos unter 0800 111 0 111. Weitere Anlaufstellen unter Krisenhilfe.
Was der Stimmung guttun kann
- Tagesstruktur: Feste Zeiten für Aufstehen, Mahlzeiten und Schlafen geben Halt, auch wenn Sie keine Lust haben.
- Bewegung: Schon ein täglicher Spaziergang von 20 bis 30 Minuten kann die Stimmung etwas heben. Es geht nicht um Sport, sondern um Bewegung.
- Tageslicht: Gehen Sie morgens oder mittags nach draußen, gerade in den dunklen Monaten.
- Kleine Aktivitäten: Planen Sie jeden Tag eine kleine Sache, die früher Freude gemacht hat, und eine, die etwas erledigt. Erwarten Sie nicht, dass sie sofort Spaß macht.
- Kontakt: Bleiben Sie mit mindestens einem Menschen in Verbindung, auch wenn es Überwindung kostet.
- Nicht zu viel Bett: Langes Liegen verstärkt bei vielen Menschen die Erschöpfung eher, als dass es erholt.
Was eher schadet
Alkohol scheint kurzfristig zu entlasten, verstärkt aber gedrückte Stimmung und Schlafprobleme. Auch große Lebensentscheidungen, etwa eine Kündigung oder Trennung, sind in einer tiefen Niedergeschlagenheit oft keine gute Idee, weil die Stimmung den Blick auf die Zukunft verdunkelt. Und: Ratschläge wie „Reiß dich zusammen“ helfen nicht, auch nicht die eigenen.
Kostenlose Angebote
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet ein bundesweites Info-Telefon Depression unter 0800 33 44 533 an, das kostenlos über die Erkrankung, Behandlung und Hilfsangebote vor Ort informiert. Ihr Online-Programm iFightDepression ist ein begleitetes Selbstmanagement-Programm für Menschen mit leichteren Formen der Depression, das auf Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie beruht und über Ärztinnen oder Psychotherapeuten freigeschaltet wird. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg berät der Sozialpsychiatrische Dienst kostenlos, Kontakt unter Krisenhilfe.
Woran Sie merken, dass Selbsthilfe nicht reicht
- Die gedrückte Stimmung hält länger als zwei Wochen an.
- Dinge, die früher Freude gemacht haben, lassen Sie völlig kalt.
- Sie schaffen Arbeit, Haushalt oder Körperpflege kaum noch.
- Sie schlafen viel zu viel oder kaum noch.
- Sie fühlen sich wertlos oder schuldig, ohne erkennbaren Grund.
- Sie haben Gedanken, dass das Leben keinen Sinn hat.
Dann ist die Hausarztpraxis ein guter erster Schritt. Sie kann körperliche Ursachen ausschließen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, und an eine Psychiaterin oder eine approbierte Psychotherapeutin überweisen. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression beschreibt, welche Behandlungen je nach Schweregrad empfohlen werden.
Begleitung bei depressiven Verstimmungen
Nicht jede gedrückte Stimmung ist eine Depression. Manchmal ist sie eine verständliche Reaktion auf Belastungen, etwa eine Trennung, einen Verlust oder anhaltenden Stress. Die Praxis von Dr. Cora Titz in Dannenberg (Elbe) begleitet bei depressiven Verstimmungen und Lebenskrisen mit der Gesprächspsychotherapie nach Rogers. Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie hat sie 2002 unter anderem bei affektiven Störungen als wissenschaftlich anerkannt eingestuft. Sie verordnet keine Medikamente, und ein bestimmter Behandlungserfolg kann nicht versprochen werden. Eine ärztliche Begleitung und Gespräche in der Praxis schließen sich nicht aus.
Für Angehörige
Wenn Sie sich um einen Menschen sorgen, sprechen Sie ihn behutsam an und unterstützen Sie ihn bei der Suche nach Hilfe, ohne Druck. Hinweise dazu gibt der Ratgeber Angehörige in der Krise unterstützen.
Der Winter im Wendland
In den dunklen Monaten fühlen sich viele Menschen antriebsloser und gedrückter. Kurze Tage, wenig Licht und weniger Kontakte spielen dabei eine Rolle. Hilfreich ist, das Tageslicht bewusst zu nutzen, etwa mit einem Spaziergang zur Mittagszeit, auch bei bedecktem Himmel. Verabredungen und feste Termine geben dem Winter Struktur. Wenn die Niedergeschlagenheit jedes Jahr in der dunklen Jahreszeit wiederkehrt und stark ist, sprechen Sie Ihre Hausärztin darauf an; dafür gibt es eigene Behandlungsansätze.
Gedanken beobachten
Gedrückte Stimmung färbt das Denken: Man sieht vor allem, was schiefgeht, und erwartet, dass es so bleibt. Solche Gedanken fühlen sich wahr an, sind aber oft von der Stimmung gefärbt. Hilfreich kann sein, sie aufzuschreiben und sich zu fragen: Würde ich das an einem guten Tag genauso sehen? Gibt es eine andere Sicht? Mehr dazu im Ratgeber Grübeln und Sorgen.
Kleine Erfolge sichtbar machen
Notieren Sie am Abend drei Dinge, die Sie geschafft haben, auch wenn sie klein erscheinen: aufgestanden, geduscht, eine Freundin angerufen. Wer niedergeschlagen ist, übersieht solche Schritte leicht. Auf Papier werden sie sichtbar.
Hilfe annehmen
Viele Menschen tun sich schwer damit, Hilfe anzunehmen, weil sie niemandem zur Last fallen wollen. Doch die meisten Menschen helfen gern, wenn sie wissen, was gebraucht wird. Sagen Sie konkret, was Ihnen guttun würde, etwa ein gemeinsamer Spaziergang oder Hilfe beim Einkauf.
Essen und Trinken
Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit sind einfache, aber wirksame Stützen. Wer niedergeschlagen ist, vergisst oft zu essen oder greift zu Süßem. Planen Sie feste Mahlzeiten, auch wenn der Appetit fehlt.
Weiterlesen: Depressive Verstimmungen · Krisenhilfe · Wann ist Psychotherapie sinnvoll? · Depressive Verstimmung oder Depression: wo der Unterschied liegt · Soziale Angst verstehen · alle Ratgeber
Quellen
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Info-Telefon Depression
- Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Depression
Verantwortlich: Dr. rer. nat. habil. Cora Titz, Dipl.-Psych., Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) · Stand: 05.10.2026
Gut zu wissen
Häufige Fragen
Was kann ich selbst gegen gedrückte Stimmung tun?
Tagesstruktur, tägliche Bewegung, Tageslicht, kleine angenehme Aktivitäten und Kontakt zu Menschen können helfen. Hält die Niedergeschlagenheit länger als zwei Wochen an, sollten Sie sie ärztlich abklären lassen.
Gibt es eine kostenlose Beratung bei Depression?
Ja, das Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter 0800 33 44 533. Im Landkreis berät außerdem der Sozialpsychiatrische Dienst in Lüchow kostenlos.
Ab wann sollte ich zum Arzt?
Wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten, der Alltag kaum noch gelingt oder Gedanken an den Tod auftauchen. Bei akuter Gefahr wählen Sie 112.
