Ratgeber · Psychische Gesundheit
Panikattacken: was im Körper passiert und was in der Situation hilft
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Eine Panikattacke ist ein plötzlicher Anfall heftiger Angst mit starken körperlichen Beschwerden wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern oder Engegefühl in der Brust. Sie erreicht meist innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt und klingt dann von selbst wieder ab, auch wenn sie sich lebensbedrohlich anfühlt. Treten Panikattacken wiederholt und unerwartet auf und entsteht Angst vor der nächsten Attacke, sprechen Fachleute von einer Panikstörung. Beim ersten Mal sollten körperliche Ursachen immer ärztlich abgeklärt werden.
Wenn Sie gerade in akuter Gefahr sind oder daran denken, sich das Leben zu nehmen: Wählen Sie den Notruf 112 oder rufen Sie die TelefonSeelsorge an, rund um die Uhr und kostenlos unter 0800 111 0 111. Weitere Anlaufstellen unter Krisenhilfe.
Wie sich eine Panikattacke anfühlt
Viele Betroffene beschreiben, dass die Angst wie aus dem Nichts kommt: an der Supermarktkasse, im Auto, abends auf dem Sofa. Das Herz rast, der Atem wird flach, die Hände kribbeln, alles wirkt unwirklich. Dazu kommen Gedanken wie „Ich bekomme einen Herzinfarkt“, „Ich werde ohnmächtig“ oder „Ich verliere die Kontrolle“. Diese Gedanken verstärken die körperliche Reaktion, die wiederum die Angst steigert. So entsteht ein Kreislauf, der sich innerhalb von Sekunden hochschaukeln kann.
Was im Körper passiert
Bei einer Panikattacke springt das Alarmsystem des Körpers an, als drohe eine echte Gefahr. Stresshormone werden ausgeschüttet, Herzschlag und Atmung beschleunigen sich, die Muskeln spannen sich an. Diese Reaktion ist eigentlich sinnvoll, sie bereitet auf Kampf oder Flucht vor. Bei einer Panikattacke läuft sie jedoch ohne äußere Gefahr ab. Schnelles Atmen kann zusätzlich Schwindel und Kribbeln auslösen. So unangenehm das ist: Eine Panikattacke selbst ist nach heutigem Wissen nicht gefährlich und klingt wieder ab.
Was in der Situation helfen kann
- Benennen: Sagen Sie sich innerlich „Das ist eine Panikattacke. Sie ist unangenehm, aber sie geht vorbei.“
- Langsam ausatmen: Atmen Sie ruhig ein und deutlich länger aus, etwa vier Sekunden ein und sechs aus.
- Den Boden spüren: Drücken Sie die Füße auf den Boden, nehmen Sie bewusst wahr, was Sie sehen, hören und berühren.
- Nicht kämpfen: Der Versuch, die Angst sofort wegzudrücken, verstärkt sie oft. Lassen Sie sie kommen und gehen wie eine Welle.
- Bleiben, wenn möglich: Wer die Situation verlässt, erlebt kurzfristig Erleichterung, lernt aber, dass der Ort gefährlich ist.
Der Teufelskreis aus Angst und Vermeidung
Nach einer ersten Panikattacke beginnen viele Menschen, Orte und Situationen zu meiden, in denen sie eine Attacke erlebt haben oder befürchten: Busse, Kaufhäuser, Autobahnen, Menschenmengen. Kurzfristig entlastet das. Langfristig wird der Bewegungsraum kleiner, und die Angst vor der Angst wächst. Bei manchen entsteht eine Agoraphobie, also die Angst vor Orten, an denen Flucht oder Hilfe schwierig erscheinen. Im ländlichen Wendland kann das besonders einschränkend sein, wenn man auf das Auto angewiesen ist.
Wann ärztliche Abklärung wichtig ist
Herzrasen, Brustschmerz und Atemnot können auch körperliche Ursachen haben, etwa Herzrhythmusstörungen, eine Überfunktion der Schilddrüse oder Probleme mit der Lunge. Lassen Sie solche Beschwerden beim ersten Auftreten und bei Veränderungen immer ärztlich untersuchen. Bei Brustschmerz, starker Atemnot oder Lähmungserscheinungen wählen Sie den Notruf 112. Erst wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen sind, ist es sinnvoll, die Angst als eigentliches Thema anzugehen.
Welche Wege es gibt
Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen empfiehlt bei der Panikstörung vor allem kognitive Verhaltenstherapie und bestimmte Medikamente, die ärztlich verordnet werden. Diese Behandlungen gibt es im Kassensystem. Ergänzend oder in einer anderen Lebenslage suchen manche Menschen eine Begleitung, in der sie verstehen möchten, was ihre Angst mit ihrem Leben zu tun hat. Die Praxis von Dr. Cora Titz begleitet bei Ängsten mit der Gesprächspsychotherapie nach Rogers, Elementen der ACT und Entspannungstechniken. Ein bestimmter Erfolg kann nicht versprochen werden. Ob für Sie eher eine Verhaltenstherapie über die Kasse oder eine Begleitung als Selbstzahler passt, lässt sich im Erstgespräch offen besprechen.
Panikattacken und Alltag im ländlichen Raum
Wer im Wendland lebt, ist meist auf das Auto angewiesen. Panikattacken beim Fahren, etwa auf der Bundesstraße oder über die Elbbrücke, können deshalb besonders einschränkend sein. Manche Menschen fahren nur noch kurze Strecken oder lassen sich fahren. Hilfreich ist, solche Einschränkungen nicht einfach hinzunehmen, sondern sie als Thema ernst zu nehmen. Bei Sorgen um die eigene Fahrtüchtigkeit sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin.
Was Angehörige tun können
Bleiben Sie ruhig, sprechen Sie langsam und freundlich, und erinnern Sie daran, dass die Attacke vorbeigeht. Atmen Sie gemeinsam ruhig aus. Vermeiden Sie Sätze wie „Stell dich nicht so an“. Bei Unsicherheit, ob es sich um einen medizinischen Notfall handelt, wählen Sie den Notruf 112.
Panik und Vermeidung im Alltag abbauen
Wer nach Panikattacken viele Situationen meidet, kann in kleinen Schritten üben, sich wieder hineinzubegeben: erst eine kurze Strecke mit dem Auto, dann eine längere, erst der kleine Laden, dann der Supermarkt. Wichtig ist, dabei so lange zu bleiben, bis die Angst spürbar nachlässt, und Schritte zu wählen, die herausfordernd, aber machbar sind. Bei ausgeprägter Panikstörung ist das ein zentraler Baustein der Verhaltenstherapie und sollte fachlich begleitet werden.
Ein solches schrittweises Üben gelingt besser mit fachlicher Unterstützung, die Tempo und Schritte gemeinsam mit Ihnen plant.
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Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Panikstörung
- Stiftung Gesundheitswissen: Agoraphobie und Panikstörung
- AWMF: S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (051-028)
Verantwortlich: Dr. rer. nat. habil. Cora Titz, Dipl.-Psych., Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) · Stand: 05.10.2026
Gut zu wissen
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Panikattacke?
Meist erreicht sie nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt und klingt dann ab, häufig innerhalb von 10 bis 30 Minuten. Sie fühlt sich bedrohlich an, ist an sich aber nicht gefährlich.
Kann man an einer Panikattacke sterben?
Nach heutigem Wissen nicht. Weil die Beschwerden einem Herzinfarkt ähneln können, sollten sie beim ersten Mal trotzdem ärztlich abgeklärt werden.
Was hilft sofort bei einer Panikattacke?
Ruhig und länger ausatmen als einatmen, die Attacke benennen und den Boden unter den Füßen spüren. Gegen die Angst anzukämpfen, verstärkt sie oft.
